Guide: Silberstempel richtig lesen und verstehen

Guide: Silberstempel richtig lesen und verstehen

Antike Silberstempel im Vergleich: 90er Versilberung und 800er Echtsilber

Im Detail: Die markante "90" steht für eine hochwertige Versilberung, die "800" für massives Echtsilber.

Wer antikes Besteck kauft oder erbt, steht oft vor kryptischen Zahlen und Symbolen. Diese sogenannten Punzen (Stempel) erzählen die Geschichte des Objekts: Woraus besteht es? Wer hat es gemacht? Woher kommt es?

Der wichtigste erste Schritt ist die Unterscheidung zwischen Echtsilber (Massivsilber) und Versilberung.


1. Die Welt der Zahlen: Echtsilber vs. Versilbert

In Deutschland und vielen anderen Ländern wird der Silbergehalt durch eine dreistellige Zahl angegeben. Doch Vorsicht: Eine zweistellige Zahl bedeutet meist etwas völlig anderes.

Echtsilber (Feingehalt)

Diese Zahlen geben an, wie viele Teile von 1.000 aus reinem Silber bestehen. Der Rest ist meist Kupfer, um das weiche Silber alltagstauglich zu machen.

Stempel Bedeutung Name / Herkunft
800 800 von 1.000 Teilen sind Silber (80%) Der deutsche Standard für antikes Besteck.
835 83.5% Silberanteil Häufig bei Schmuck und Korpusware nach 1900.
925 92.5% Silberanteil Sterling Silber (internationaler Standard, v.a. England/USA).
950 95% Silberanteil Oft bei hochwertigem französischen Silber zu finden.


Versilberung (Auflage)

Hier liegt das größte Missverständnis. Zahlen wie 90 oder 100 bedeuten nicht, dass das Besteck fast reines Silber ist. Sie geben an, wie viel Gramm Feinsilber auf eine bestimmte Menge Besteck (standardmäßig 24 Teile: 12 Löffel und 12 Gabeln) galvanisch aufgetragen wurde.

  • 90: Der Klassiker. 90 Gramm Silber wurden auf die Besteckteile verteilt.
  • 100 / 120: Eine dickere Silberschicht, langlebiger gegen Abrieb.
  • 40 / 60: Dünnere Auflagen, oft bei günstigeren Serien zu finden.

Merke: Dreistellige Zahlen (800+) = Massiv. Zweistellige Zahlen (90, 100) = Versilbert.


2. Nationale Symbole: Woher kommt das Silber?

Zusätzlich zu den Zahlen findest du oft Symbole, die die staatliche Prüfung garantieren.

  • Deutschland (ab 1888): Du siehst meistens den Halbmond (für Silber), die Krone (für das Deutsche Reich), die Feingehaltzahl (z.B. 800) und die Firmenmarke des Herstellers.
  • England: Hier gibt es ein komplexes System. Der schreitende Löwe (Lion Passant) steht für Sterling Silber (925). Ein Anker steht für Birmingham, ein Leopard für London.
  • Frankreich: Hier findet man oft die Minerva (Göttin) in einem Rahmen.

3. Herstellerstempel (Meistermarken)

Neben dem Materialwert ist der Hersteller für Sammler oft entscheidend. Bekannte Namen wie WMF, Wellner, Bruckmann oder Robbe & Berking haben ihre eigenen markanten Logos.

  • Tipp: Wenn du ein Logo siehst, das wie ein Strauß aussieht, handelt es sich um eine frühe Marke von WMF (der "Straußenmarke").
  • Wellner: Oft erkennbar an einem Würfel-Symbol oder dem Schriftzug "Elefant".


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